Trekking auf Sizilien ist nicht gerade eines der typischen Winterziele. Eigentlich zu Unrecht, denn die traumhaft schöne Landschaft rund um den Ätna gehört einem zu dieser Jahreszeit ganz alleine. Wenn dann auch noch der Berg aktiv ist, wird einem schnell ganz heiß und kalt.
Der folgende Reisebericht enthält neben speziellen Tipps und Erfahrungen zum Thema Gewichtsparen auch einige spektakuläre Filmaufnahmen vom größten Vulkan Europas.
Den Flug nach Catania hatte ich ohne große Überlegung und Planung gebucht. In den Nachrichten der vergangenen Tage waren immer wieder Meldungen zu lesen, dass die Eruptionen am Ätna anhalten. Keine Vulkankatastrophe, aber doch so aktiv, dass man Lavaströme sehen konnte und sogar der Flughafen zeitweise aufgrund der Aschewolken gesperrt werden musste. Einen aktiven Vulkan besteigen und dabei vielleicht sogar kleinere Eruptionen beobachten – das wäre vielleicht das interessantere Feuerwerk zum Jahreswechsel.
Für meine selbstgebauten Carbonstöcke würde das eine ernsthafte Bewährungsprobe werden. Das scharfkantige Geröll und die Überquerung von unwegsamen Lavafeldern sind eigentlich Gift für die empfindliche Leichtbauweise. Aber bevor es soweit war stellte sich die Frage, wie die Stöcke mit der mindestens genauso großen Bedrohung durch rücksichtslose sizilianische Gepäckabfertiger am Flughafen fertig werden würden.
Da sich die einteiligen Stöcke nicht zusammenschieben oder zerlegen lassen, blieb nur die sichere Verpackung in einer passenden Hülle. Im Baumarkt fand sich diese in Form eines handelsüblichen grauen Kunststoffrohres (Länge: 150 cm, Durchmesser: 5 cm). Wenn man die Teller der Leki-Spitzen abschraubt und die beiden Stöcke so wie auf dem Bild gezeigt „Kopf an Fuß“ anordnet, dann passen sie mit leichtem Drücken genau in das Rohr hinein. Perfekt.
Das eine Rohrende habe ich mit einem Endstopfen verschlossen und mit Duct Tape gesichert, das andere Ende wurde ebenfalls mit dem starken Klebeband überklebt. Vorher hatte ich das Rohr soweit gekürzt, dass es genau die für die Stöcke notwendige Länge hat (130 cm).
In Catania gelandet stellte sich heraus, dass das Kunststoffrohr mit den Stöcken in Frankfurt zurückgeblieben war. Also erstmal die Vermisstenmeldung für Gepäckstücke ausgefüllt und dann mit dem Bus in die Stadt gefahren. Ich weiß bis heute nicht, wo man Fahrkarten dafür kaufen kann oder muß. Ein Tickethäuschen war nicht besetzt und der Busfahrer konnte oder wollte mich nicht verstehen. Egal, Hauptsache ich durfte mitfahren. Da sich ohne die Stöcke mein Zelt (Golite Trig 2) nicht aufbauen läßt, war also bis auf weiteres das Warten auf die Nachlieferung angesagt. Die Zeit habe ich mir mit der Erkundung von Catania vertrieben. Hier einige Impressionen von der Stadt des grau-schwarzen Lava-Barocks.
Zwei Tage später kamen die Stöcke endlich an. Auch der Umweg über Zürich und Rom hatte ihnen nicht geschadet. Das Transportrohr hatte seine erste Bewährungsprobe bestanden und es konnte losgehen Richtung Vulkan.
Mit dem täglichen AST-Bus um 8:15 Uhr vom Busterminal an der Piazza Giovanni XXIII gibt es eine bequeme Verbindung, um von Catania aus zum Ätna zu kommen. Fahrkarten für 5 Euro (Hin- und Rückfahrt) bekommt man direkt beim Fahrer oder gegenüber im Café an der Ecke zur Via L. Sturzo. Endstation der Busfahrt ist das Rifugio Sapienza. Das Rifugio ist eine Ansammlung von Souvenirständen, einer Seilbahnstation, zwei Restaurants und einem Hotel. Es liegt auf ca. 2000 m Höhe und ist der beste Ausgangspunkt für die Besteigung von Süden aus.
Eigentlich wollte ich zunächst eine Trekkingtour rund um den Ätna unternehmen. In drei bis vier Tagen auf der Pista Altomontana Forestale den Berg umrunden, im Zelt schlafen, und die waldreiche Landschaft an den Hängen des Ätna genießen. Aber es kam anders als geplant. Während der Busfahrt lernte ich Helmut aus Bad Füssing kennen, der mir berichtete, dass die Aktivitäten am Ätna in der vergangenen Nacht stark zugenommen hätten, so dass die Lavaströme sogar von Catania aus zu sehen gewesen waren. Helmut wollte bis zum Gipfel des Südostkraters herauf und die Nacht dann in einer Schneehöhle verbringen, die er zwei Tage zuvor in etwa 3000 m Höhe entdeckt hatte. In der Höhle sei sicherlich auch Platz für zwei Personen. Das klang nach einer interessanten Alternative. Also habe ich kurzfristig meine Pläne geändert und mich Helmut angeschlossen.
Gipfelbesteigung
Es gab nur ein Problem. Eigentlich war ich für diese Höhen garnicht ausgerüstet. Fast das ganze Jahr über ist der Gipfelbereich des Ätna mit Schnee bedeckt. Das Klima ist trotz der vergleichsweise niedrigen Höhe von 3300 m hochalpin, ganz besonders im Winter, und die Wetter- und Windverhältnisse können innerhalb kürzester Zeit umschlagen. Zwei Tage vorher lag die Lufttemperatur bei etwa -5°C, aber es blies ein stürmischer Wind, so dass die gefühlte Temperatur eher bei -15°C lag.
Ich hatte keine Handschuhe dabei, keine Grödel oder Steigeisen, und den Helm und die Atemschutzmaske, die ich vorsichtshalber mit nach Sizilien genommen hatte, um mich vor den Gefahren des Vulkanismus zu schützen, waren ebenfalls im Hostel in Catania zurückgeblieben. Aber gut, weniger ist ja manchmal mehr und manche Gelegenheiten darf man einfach nicht verstreichen lassen. Außerdem – so sagte ich mir - gibt es immer noch die Möglichkeit, innerhalb weniger Stunden ins sichere Refugio abzusteigen, wenn es auf dem Berg zu ungemütlich wird.
Bevor wir mit der Seilbahn bis auf 2500 m Höhe hochfuhren und uns damit ein bis zwei Stunden Aufstieg sparten (gerade während der kurzen Wintertage sinnvoll, wenn auch teuer), fand ich in einem Souvenirladen ein paar Skihandschuhe. Die Fingerspitzen waren also schon mal gerettet.
Oben angekommen empfing uns strahlender Sonnenschein und es war praktisch windstill. Temperaturen um den Gefrierpunkt und eine feste Schneedecke von bis zu 20 cm, auf der man auch ohne Eisen sicher laufen konnte. Der perfekte Tag. Vor allem aber: der Südostkrater – Zentrum der vulkanischen Aktivitäten während der letzten Monate – war wieder zum Leben erwacht. Was wir an diesem Tag erlebten, ist schwer in Worten zu beschreiben. Ich hatte vorher noch nie einen Vulkanausbruch gesehen. Sicher, man kennt das von Bildern und aus Fernsehberichten. Aber diese elementare Urgewalt mit seinen eigenen Augen aus nächster Nähe zu sehen, das Grollen und Rumpeln der Explosionen in der Magengrube zu spüren und die Dampfschwaden und beißenden Ausgasungen der Fumarolen einzuatmen – der 12. Dezember 2006 war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Die folgenden Filmaufnahmen vermitteln vielleicht einen kleinen Eindruck davon.
Der Weg von der Seilbahnstation bis zum Fuß des Südostkraters dauert ungefähr eine Stunde und führt durch moderat ansteigendes Gelände. Schneebedeckte Seitenkrater, bei manchen ist der obere Rand abgeschmolzen und noch warm. Wasserdampf tritt aus und wird vom Wind weggeblasen. Man läuft über den Wolken und bei guter Sicht liegt einem ganz Sizilien zu Füßen. Die Bucht von Catania und die fruchtbaren Hänge von Nicolosi - was für ein Kontrast zu der eisigen Welt hier oben.
Der Südostkrater bot ein unwirkliches Bild. Seine Ostflanke war in den vergangenen Wochen regelrecht aufgerissen worden. Eine dicke Aschewolke quoll in den Himmel. Der ganze Berg war in Bewegung. Überall Dampfschwaden, begleitet von dem Grollen aus dem Bauch des Berges. Noch zwei Tage vorher hatte es Helmut geschafft, von Westen her den Gipfel zu besteigen. Heute wäre ein ähnliches Unterfangen glatter Selbstmord gewesen.
Deshalb beschlossen wir, die Bocca Nuova, den benachbarten Hauptkrater des Ätna, in Angriff zu nehmen. Dazu mussten wir jedoch ein ausgedehntes Lavafeld überqueren, etwa 200 m breit, das einige Wochen vorher entstanden war. An manchen Stellen dampfte der Boden noch, aber da das aufgeschäumte Vulkangestein gut isoliert, konnten wir darüber laufen, ohne angeschmolzene Sohlen zu riskieren. Meinen Schuhen (Nike Air Zoom Tallac) hat das aber dennoch nicht gut getan. Das scharfkantige Geröll hat die Stoffeinsätze an mehreren Stellen aufgerissen, aber meine Füße selbst blieben zum Glück unverletzt. Auch die Carbonstöcke haben ein paar Schrammen abbekommen, die aber ausschließlich die Oberfläche angekratzt haben. Leichtausrüstung am Limit.
Jetzt stand uns der Anstieg zum Kraterrand bevor. Je nach Schneesituation ist hier ohne Steigeisen und Stöcke nix zu machen. An diesem Tag aber hatten wir Glück. Die dünne Schneeschicht war leicht angetaut, so dass man kleine Stufen treten konnte. Das war nicht ganz ungefährlich, aber das Risiko hat sich gelohnt. Oben angekommen erwartete uns nach Süden hin ein grandioser Ausblick. Strahlender Sonenschein, tief unter uns einige Wolken, und darunter die grüne und fruchtbare Ebene mit Orangenhainen und Olivenplantagen.
Dreht man sich allerdings um, dann steht man am Abgrund zur Hölle. Die Sicht war durch weißen Dampf versperrt und an vielen Stellen am Kraterrand haben uns die Schwefelgase fast die Luft genommen. Überall rauchte und dampfte es. In den Krater der Bocca Nuova konnten wir kaum hereinschauen, ihn höchstens erahnen. Beim Aufstieg hatten wir uns schon gefreut, hier oben eine kleine Picknickpause zu machen, aber das hier war kein Ort zum Verweilen, sondern ein Pulverfass, das jeden Moment in die Luft fliegen konnte. Interessant, wie sich an solchen Orten die natürlichen Instinkte wieder regen und einem unmissverständlich sagen, dass man hier nichts zu suchen hat und seinen Arsch gefälligst in Sicherheit bringen soll. Also haben wir nach kurzer Fotopause kehrt gemacht und sind abgestiegen.
Als wir wieder am Fuß des Südostkraters ankamen, war es schon spät am Nachmittag. Die letzte Seilbahn um 16 Uhr war bereits weg, und die Dunkelheit kroch aus dem Valle del Bove hoch. Offiziell darf man sich zu dieser Zeit nicht mehr im Gipfelbereich aufhalten. Aber es gibt keine Kontrollen, denn kontrollieren kann das riesige Gelände sowieso niemand. Wir standen allein auf 2900 m Höhe, vielleicht 100 m von einem so genannten Hornito entfernt (ein „kleiner“ Seitenkegel, etwa drei bis vier Häuserstockwerke hoch), aus dem es hell leuchtete und dampfte. Der ganze Hang unterhalb war durch einen mehrere Meter breiten Lavastrom in rote Glut getaucht. Allein dieser Anblick war schon umwerfend.
Plötzlich öffnete sich etwas näher zu uns der Boden. Ohrenbetäubendes Zischen, dann eine gigantische Fontäne aus glühenden Lavafetzen. Innerhalb von Minuten hatte sich ein zweiter Kegel gebildet, der im Abstand von einigen Sekunden gelb-rote Lavafetzen in die Luft schleuderte. Fast wie das Ausblasen eines Wales, wenn er auftaucht, um Luft zu holen. Ich konnte die Kamera kaum noch ruhig halten, habe am ganzen Körper gezittert, nicht nur wegen der Kälte, und die Knie sind mir fast eingeklappt. Alles in mir wollte flüchten von diesem Ort, und dennoch konnte ich Augen und Kamera nicht abwenden von diesem unglaublichen Schauspiel. Das ist so ein Moment, wo die Welt zu einem Punkt in Raum und Zeit zusammenschrumpft und in die Singularität stürzt. Gegenwart und Ewigkeit werden eins und für einen kurzen Moment hört die Zeit auf zu ticken. (Okay, Stefan, und jetzt wieder gaaaaanz langsam zu dir kommen…)
Zurück zu den praktischen Dingen. Was gibt es zur Ausrüstung zu sagen? Wer den Ätna im Winter besteigen möchte sollte auf folgendes achten:
Viele Touristen fahren mit der Seilbahn bis auf 2500 m, stehen dann dort in ihrem Straßenoutfit im Schnee und eisigem Wind. Selbst für Tagestouren ist eine vernünftige Winterausrüstung sinnvoll, um ohne Unterkühlung auch nur in die Nähe der Hauptkrater zu kommen.
Wer von der Bergstation der Seilbahn aus die Bocca Nuova besteigen möchte, muss neuerdings ein ausgedehntes Lavafeld überqueren. Auf dem scharfkantigen Geröll läßt es sich nur schwer gehen. Trekkingstöcke sind dabei sehr hilfreich, außerdem robuste Schuhe.
Die Carbonrohre meiner Trekkingstöcke haben den Einsatz überraschenderweise gut verkraftet. Im unteren Teil sind zwar einige Kratzer zurückgeblieben, aber keine ernsthaften Beschädigungen. Die Dinger sind wirklich gut. Bei Kraterbesteigungen nicht nur im Winter sind Stöcke allgemein eine große Erleichterung.
Der gesamte Berg ist frei zugänglich. Es gibt zwar eine besondere Gipfelzone, die teilweise mit Pfählen und Hinweisschildern markiert ist, aber niemand kontrolliert, wer wohin läuft. Deshalb ist vernünftiges und selbstverantwortliches Verhalten wichtig. An vielen Stellen treten Wasserdampf und giftige Gase aus dem Boden aus. Während man die Wasserdampfschwaden direkt sehen kann, gerieten wir gelegentlich in unsichtbare Wolken aus Schwefelwasserstoff (Geruch nach faulen Eiern) und Schwefeldioxid (stechend-beißend). Das ist nicht gesund und kann in höheren Konzentrationen schnell lebensgefährlich werden. Wer sich längere Zeit im Gipfelbereich aufhalten möchte, sollte über die Mitnahme einer geeigneten Atemmaske nachdenken.
Vulkane sind oft steiler als sie aus der Ferne aussehen. Die Besteigung der Bocca Nuova ohne Grödel oder Steigeisen war an diesem Tag zwar machbar, ist aber generell nicht zu empfehlen. Ein falscher Schritt kann den Abstieg extrem beschleunigen. Was passiert, wenn man dann noch durch einen scharfkantigen Lavabrocken gestoppt wird, mag man sich besser erst garnicht vorstellen.
Wenn man sich abseits der abgesteckten Routen bewegen möchte: Bei klarer Sicht wirkt der Berg überschaubar und es gibt viele markante Punkte zur Orientierung. Ganz anders sieht es aus, wenn Nebel/Wolken aufziehen, was innerhalb kürzester Zeit passieren kann. Dann bietet ein GPS-Gerät zusätzliche Sicherheit. Vorausgesetzt, man kann damit umgehen und hat geeignete Wegpunkte vorher markiert.
Nach den eruptiven Erlebnissen oberhalb des Valle del Bove stellte sich für Helmut und mich die Frage, ob wir oben am Berg campieren oder in der Dunkelheit noch ins Rifugio absteigen. Die Schneehöhle, die wir ursprünglich als Nachtlager vorgesehen hatten, schien uns bei neuerer Besichtigung als zu riskant, da direkt daneben eine Fumarole aktiv war. Mein Zelt aufbauen (ich hatte ja meine gesamte Trekkingausrüstung und Proviant für vier Tage dabei) war schwierig, denn ich hatte nur dünne Titanheringe für die Pista Altomontana dabei, aber die sind im Schnee praktisch unbrauchbar.
Zum Glück trafen wir dann auf zwei Vulkanologen. (Übrigens die zwei Personen, die im Film ab 4:45 unten rechts sichtbar sind. Kurz bevor das Feuerwerk so richtig losging, standen die noch direkt am Fuß des Hornitos. Entweder wissen die wirklich was sie tun, oder sie haben einfach nur saumäßiges Glück gehabt.) Sie haben uns angeboten, uns auf ihrer Pistenraupe mit nach unten zu nehmen. Sehr freundlich, und vielleicht auch sicherer, als die ganze Nacht in Kraternähe zu verbringen.
Pista Altomontana Forestale
Am nächsten Tag bin ich dann aufgebrochen zu meiner Ätna-Umrundung. Die Pista Altomontana Forestale beginnt unterhalb des Rifugio Sapienza an der Abzweigung zum osservatorio astrofisico. Am besten bittet man den Busfahrer, dort anzuhalten, denn es gibt keinen vernünftigen Weg vom Rifugio dorthin, außer der Straße entlang. Die Piste führt auf einer Höhe zwischen 1500 m und 2000 m auf ca. 60 km Länge bis zum Rifugio Bruneck auf der Nordostseite des Ätna. Die ersten Kilometer verlaufen auf geteertem Weg, danach auf Forstwegen aus körniger Vulkanasche, unterbrochen von Single-Trails über Lavafelder. Die Landschaft ist traumhaft schön und abwechslungsreich. Bewaldete Abschnitte mit Buchen, Eichen, Pinien und Birken wechseln sich ab mit offener Landschaft und ausgedehnten Lavafeldern. Unterwegs passiert man erloschene Vulkankegel oder Lavahöhlen und alle paar Stunden kommt man an einem kleinen Rifugio vorbei. Meist eine einfache unverschlossene Hütte mit Kamin, in der man bei Bedarf Schutz findet und wo man auch Schlafsack und Isomatte ausbreiten kann.
Zelten ist natürlich viel schöner und geeignete Plätze findet man leicht. Manchmal zweigen vom Hauptweg zugewachsene Seitenwege ab. Dort ist der Untergrund weich und eben. Wenn man dann noch das richtige Kopfkissen hat, schläft man so tief und fest wie der Ätna zu seinen ruhigeren Zeiten.
Normalerweise nehme ich als Unterlage für mein Haupt einen Packsack und stopfe überzählige Kleidungsstücke hinein. Diesmal jedoch brauchte ich sämtliche Klamotten als zusätzliche Isolation im Schlafsack, denn die Nächte waren überraschend kalt. Deshalb habe ich meinen Rucksack (Golite Gust) zusammengerollt und in den Packbeutel gesteckt, wie hier zu sehen ist.
Was dabei herauskam, ist eine superbequeme Nackenrolle, zumindest für meine Schlafgewohnheiten. Sowas geht natürlich nur mit Rucksäcken ohne festes Tragegestell und ist wiederum ein typisches Beispiel dafür, wie sich durch Mehrfachverwendung Gewicht sparen läßt, ohne dass man auf Komfort verzichten muss.
Ein zweites Beispiel dafür ist meine Hutkrempe aus einer Sonnenschutzfolie für Windschutzscheiben (eine Bauanleitung dafür findet man im Buch „Trekking ultraleicht“). Mittlerweile kommt sie nicht nur zum Einsatz, um mich vor zuviel Sonne zu schützen, sondern ich verwende sie auch als isolierenden Topfuntersetzer. Dadurch bleibt einerseits der Inhalt etwas länger heiss und andererseits verbrennt man sich nicht die Finger, wenn man direkt aus dem Topf isst oder trinkt.
Übrigens habe ich festgestellt, dass sich der Rand des abgebildeten Titantopfs selbst unmittelbar nach dem Kochen mit bloßen Händen anfassen läßt. Bei Aluminiumtöpfen geht das nicht. Offenbar macht sich hier die schlechtere Wärmeleitfähigkeit von Titan bemerkbar. Das ist sehr praktisch, denn damit wird eine Griffzange oder ähnliches komplett überflüssig.
Wenn man im Winter unterwegs ist und Spiritus als Brennstoff verwendet, ist es nach frostigen Nächten oft nicht einfach, den Brenner zu entzünden. Gelegentlich wird deshalb empfohlen, die Brennstoffflasche mit in den Schlafsack zu nehmen. Da ich anstatt einer Flasche einen leichteren und deshalb auch etwas empfindlicheren Folienbehälter verwende, ist das Verstauen im Schlafsack etwas riskant. Ich habe deshalb eine einfachere Methode ausprobiert: zuerst den Spiritusbrenner (selbstgebaut aus zwei Coladosen) befüllt und dann etwa eine halbe Minute mit den Händen angewärmt. Danach ließ sich der Brenner völlig problemlos mit einem leichtem „Flupp“ starten und der Frühstückskaffee war gerettet.
Insgesamt habe ich drei Tage auf der Pista Altomontana verbracht. Dabei ist mir nicht ein einziger anderer Wanderer begegnet. Ich hatte den ganzen Berg für mich alleine. Außer meinen eigenen Schuhabdrücken waren im feinkörnigen Lavasand nur die Fährten wilder Tiere zu sehen, wahrscheinlich Hasen, Füchse oder Rehe. Die Landschaft ist faszinierend schön und erinnert teilweise an kanadische Wälder. Unberührte Natur, soweit das Auge reicht. Kein sizilianischer Lärm, kein Müll am Wegesrand, keine Wege, die wie so oft in Italien im Nichts enden. Dafür immer wieder überwältigende Blicke hoch zum rauchenden Gipfel des Ätna (siehe auch die Bilder in der Fotogalerie).
Diese Tour ist wirklich ein Geheimtipp. Damit das auch so bleibt, möchte ich jedem eindringlich davon abraten, dort hinzufahren. Der Berg ist sowieso viel zu gefährlich und es wird schon seine guten Gründe haben, dass da sonst niemand unterwegs ist. ;-)
Geschrieben von Stefan
am 26. Dezember 2006 12:10 ·
1 Kommentare ·
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Kommentare
Stefanam 07. Januar 2007 18:21
Habe gerade auf Stromboli Online eine Sammlung von Videos gefunden, die einen fürchterlichen Ausbruch des Südostkraters am 15.2.2000 dokumentieren. Das ist wirklich der Hammer. Wie kann man sowas filmen, anstatt um sein Leben zu rennen?
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